Jasper Fforde: Grau

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Ein Eddie-Russett-Roman

Inhalt

Auf der Erde, in ferner Zukunft: Der zwanzigjĂ€hrige Edward Russett reist mit seinem Vater nach Ost-Karmin, um eine StuhlzĂ€hlung vorzunehmen. Als junger Mann mit exelenter Rotsicht sieht er eine exzellente Zukunft vor sich. Bereits bei der Ankunft stellt er fest, dass in den Randzonen der Chromatokratie die Regeln des BegrĂŒnders Munsell nicht so genau genommen werden. Auch die stubsnasige Graue Jane wirkt sonderbar – und als dann noch einem seiner Freunde, einem Gelben namens Travis Canary, etwas zustĂ¶ĂŸt, beginnen Zweifel in ihm zu reifen, die sein Leben verĂ€ndern werden.

Meinung

Jasper Fforde hat hier ein Universum geschaffen, in welchem man sich nicht gleich wohlfĂŒhlt – die Restriktionen der Chromatokratie erscheinen seltsam, “Große Schritte ZurĂŒck” scheinen uns absurd. Mit der Zeit aber wird diese seltsame Welt, die obwohl in der Zukunft angelegt, doch so viele Elemente mittelalterlichen Feudalismus‘ aufweisend, vertraut. Auch ist dieses Buch eine unterhaltsame LektĂŒre, die gelegentlich sogar witzig ist, sofern der Leser denn begreift, um was es sich  z.B. etwa bei einer Weltkarte der “Parker Brothers” mit dem Akronym RISK handelt – ein Beispiel, welches den Ideenreichtum dieses großartigen Autors zeigt.

Ich warte dann mal auf die Fortsetzung

  • Spannung 4/5
  • Wissen 4/5
  • Anspruch 3/5
  • Humor 3/5
  • Liebe 2/5

“Ikarus” – Wege durch das Land, 2011: Flugfeld Oerlinghausen

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Man kommt an, ein sonniges Flugfeld, Tischreihen mit Damastdecken und Suppentasse, Löffel und Messer auf blauer Serviette, dazu Brot in TĂŒchern verpackt.

Nach einer kurzen Ansprache der kĂŒnstlerischen Leiterin des Festivals, Dr. Brigitte Labs-Ehlert, wie immer in unmerkbaren und nur schwer zu notierenden SĂ€tzen gehalten und einer ebenso kurzen Ansprache zum Flugfeld und dessen Geschichte, werden die Menschen an den langen Tafeln fĂŒr einige Zeit sich selbst ĂŒberlassen.

Gerede sich jedenfalls in Teilen zuvor unbekannter Personen, dumpfes und helles (niveau- und klanglich), schwappt von Weinmangel ĂŒber Suppensorten zu persönlicherem, wĂ€hrend Wolken den weiten Himmel ĂŒber dem Flugfeld besiedeln.


Regen fĂ€llt nicht, durch eine kleine TĂŒr der GrĂ¶ĂŸe einer gewöhnlichen ZimmertĂŒr geht es ins Hangar, in dem der eigentliche Teil des Abends passieren soll, eine geradezu amtliche Sache, eine UrauffĂŒhrung einer “szenischen Aktion fĂŒr Stimme und Elektronische Musik” namens “Ikarus”.

Es fĂ€llt schwer die AtmosphĂ€re in Worten einzufangen, selbst Bilder geben nur einen Teil wieder, selbst ein Video könnte nicht alles einfangen. Man sitzt im Dunkeln, als plötzlich ein Pult auf die BĂŒhne geschoben wird, direkt vor die geschlossene RolltĂŒr des Hangars, eine Art Wagen, versehen mit dem Equipment, welches fĂŒr die Elektronische Musik nötig ist und zwei StĂŒhlen, einem Tisch, zwei schlichten, kleinen schwarzen Lampen

Es geht los.

Die Stimme, die liest, gehört der Schweizer Schauspielerin Sibylle Canonica, fĂŒr die elektronische Begleitung sorgt Mark Polscher, der eigentlich mal Fagott studiert hat, beide sind in schwarz gekleidet und schieben ihren Podestwagen selbst herein. Es ist keine aufdringliche elektronische Begleitung der starken Stimme, hat mehr etwas von NebengerĂ€uschen, ja teilweise klingt es wie ein Rauschen, wie man es vom Radio kennt oder von leicht beschĂ€digten Schallplatten, durchsetzt von metallischen Plings, nur wenn die Stimme der Sprecherin aussetzt, deren rote Haare zum zwischendurch mal grĂŒn, mal weiß, mal blau angestrahlten Rolltor einen geradezu magischen Kontrast bilden, drĂ€ngt sich der Synthesizer in den vordergrund und es wird sogar leicht rhytmisch, Takt wird erkennbar.

Schlussendlich, nachdem die Texte, eingerichtet von der bereits erwĂ€hnten kĂŒnstlerischen Leiterin des Festivals, geschrieben von Juan de la Cruz, Ovid, Leonardo da Vinci, Ingeborg Bachmann, Doris Runge, Christoph Ransmayr und Leonid Andrejew, allesamt vom Fliegen, vom Traum des Fliegens handelnd, öffnet sich, nachdem sich der zu poetische Pilot Juri verloren hat, das Tor langsam, und sichtbar wird der Sonnenuntergang und das Flugfeld, leer und frei und klar, ein riesiges breites, betretbares Bild.

 Tosender Applaus.